Angelus Silesius 2.0

 

Die Bilderserie "Angelus Silesius" ist ein PERSÖNLICHER Ausdruck der allumfassenden Leerheit. Er versucht die drei Dimensionen des Kunsterlebens zu vereinigen:

Die drei Dimensionen sind das "Auge des Leibes", das "Auge der Seele" und das "Auge des GEISTES".

Das "Auge des Leibes" sieht realistische, naturgetreue Darstellungen (Fotos / 'der röhrende Hirsch an der Wohnzimmerwand'). Es sieht die Dinge in ihrer Vielfalt, von einander unterschieden. Es nimmt Farben, Formen und Kontraste wahr.

Das "Auge der Seele" sieht abstrakte, surrealistische oder konzeptive Kunst (Kunst der Moderne / Postmoderne). Der Künstler drückt seine Persölichkeit aus. Es ist eine Kontaktaufnahme mit dem Betrachter, der Versuch eine Verbindung zu schaffen. Es ist ein Hinspüren, ein Hinweis, das da hinter den getrennten Dingen eine gemeinsame Seele ist.

Das "Auge des GEISTES" sieht das Allumfassende und Universelle, das allen Menschen zugänglich ist. (Kunst der Mandalas / Yantras). Der Künstler tritt in die Ganzheit und Leere zurück und löst die Trennung von Maler und Gemälde auf. Das Bild IST die Einladung, sich dem LEBEN hinzugeben, ohne etwas Bestimmtes zu wollen, zu erfahren oder auszudrücken. Kunst und jede Tätigkeit ist das Geschenk einfach JETZT da zu sein.

 

 

Die Bilder der Serie "Angelus Silesius" entspringen aus der meditativen und kontemplativen Übung seit August 2005.

Die Vorläuferserie "Angelus Silesius 1.0" wurde in den Jahren 2005 bis 2008 gemalt. Beispiele sind auf der Seite "Licht auf dem Weg" zu sehen.

Die Bilder der Serie "Angelus Silesius "2.0" entstanden ab 2010.

 

Alle Bilder der Serie "Angelus Silesius" sind auf Leinwand (60 x 60 cm) mit speziellen, für die Kunsttherapie entwickelten Farben gemalt, welche die seelische Ausdrucksfähigkeit unterstützen. Ein Zwei-  (Vier-)zeiler von Angelus Silesius (kursiv), sowie ein meditativer Begleittext vertiefen die Bildbetrachtung.

 

 

 

 

 

 1. 1. Was fein ist, das besteht.1. 1. Was fein ist, das besteht.   "Rein wie das feinste Gold,

    fest wie ein Felsgestein,

    ganz klar wie ein Kristall

    soll dein Gemüte sein."

 

       Um Gelassen zu sein, benötigt es drei Fähigkeiten:

Empfindsamkeit oder Intelligenz, das immer feinere Wahrnehmen, dessen was ist.

Durchhaltevermögen oder Wille, jeden Tag zu üben und nicht in die Unbewußtheit abzudriften.

Ohne dein Zutun taucht Klarheit und Tiefe in dir auf, mühelos.

    

1. 2. Die ewige Ruhestätte1. 2. Die ewige Ruhestätte    "Es mag ein anderer sich um sein Begräbnis kränken,

    und seinen Madensack mit stolzem Bau bedenken.

    Ich sorge nicht dafür: Mein Grab, mein Fels und Schrein,

    in dem ich ewig ruh' , soll's Herze Jesu sein."

 

Der Körper, mit dem wir uns täglich gleichsetzen und für selbstverständlich nehmen, ist der Vergänglichkeit unterworfen. Pflege ihn gut, solange du darinnen wohnst, aber wehre dich nicht gegen seine Begrenzungen. Du bist nicht dein Körper. Du bist in deinem innersten Wesen ewig und nicht der Zeit unterworfen. Sobald du durch die Übung einen Abstand zwischen dir und deinem Körper erschaffst, wirst du es bemerken.

 

    

1. 3. Gott kann allein vergnügen.1. 3. Gott kann allein vergnügen.    "Weg, weg, ihr Seraphim, ihr könnt mich nicht erquicken.

    Weg, weg ihr Engel all, was ich an euch erblicke.

    Ich will jetzt euer nicht; ich werfe mich allein

    ins ungeschaffne Meer der bloßen Gottheit ein."

 

Auf dem Übungsweg gibt es viel zu entdecken, viele Fähigkeiten tauchen auf und viele Hindernisse gilt es zu überwinden. Diese besonderen Fähigkeiten sind anziehend, laden zum Verweilen und zur Vertiefung ein. Hindernisse schrecken ab und bewegen zur Umkehr. In all dem kannst du dich verlieren oder es zu wichtig nehmen und das 'WEITER' vergessen. Der spirituelle Weg geht über die Meditation der 'Engel' hinaus, in den 'Ozean' der Kontemplation.

 

 

1. 4. Man muss ganz göttlich sein.1. 4. Man muss ganz göttlich sein.    "Herr, es genügt mir nicht, dass ich dir englich diene,

    und in Vollkommenheit der Götter für dich grüne.

    Es ist mit viel zu schlecht und meinem Geist zu klein;

    wer dir recht dienen will, muss mehr als göttlich sein."

 

In der Meditation steht die Beobachtung der Gedanken, der Gefühle und des Körpers im Mittelpunkt, die Götter. Ich erschaffe mir einem Raum und bemerke die Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen kommen und gehen. Die Aufmerksamkeit wird mit der Dauer der Übung zunehmend feiner, bis hin zu 'verdrängten' Gedanken und Gefühlen. Dies kann bis zur 'Vollkommenheit' geschehen. Dann taucht zunehmend das Zeuge-Sein auf. Jenseits von Gut und Böse. 

 

1. 5. Man weiß nicht, was man ist.1. 5. Man weiß nicht, was man ist.    "Ich weiß nicht, was ich bin,

    ich bin nicht, was ich weiß.

    Ein Ding und nicht ein Ding,

    ein Pünktchen und ein Kreis."

 

"Wer bin ich?" Das ist die entscheidende Frage, die sich JEDER Mensch stellen sollte. Diese Frage bewegt die Aufmerksamkeit von Außen nach Innen. Vom Ding zum Nicht-Ding, vom Kreis zum Punkt. Die Frage birgt zunächst viele Antworten. Sie bringt uns in Bewegung. Ich bin 'Etwas' und ich bin 'Jemand' und ich bin 'Anderes' und ich bin 'Niemand'. Es bleibt die sokratische Antwort: "Ich weiß', dass ich nichts weiß'" - und nicht einmal das weiß' ich.

 

 

1. 6. Du musst, was Gott ist sein.1. 6. Du musst, was Gott ist sein.    "Soll ich mein letztes End' und ersten Anfang finden,

    so muss ich mich in Gott und Gott in mir ergründen;

    und werden muss, was er: Ich muss ein Schein im Schein,

    ich muss ein Wort im Wort, ein Gott im Gotte sein."

 

Es ist ein großes Mißverständnis: Gott sei  ewig, der Mensch sei endlich. Der Mensch ist beides: Ewig und endlich - Gottes Ebenbild. Dieses Grundgefühl geht verloren, sobald du dich vom Ganzen abtrennst und etwas Besonderes sein möchtest. Dabei bist du immer in die Dreieinigkeit aus Leib, Geist und Seele eingebettet - ein Gott im einen Gott, ein Wort im einen Wort und ein Schein im einen Schein.

 

 

 1. 7. Man muss noch über Gott.1. 7. Man muss noch über Gott.    "Wo ist mein Aufenthalt?  Wo ich und du nicht stehen.

    Wo ist mein letztes End', in welches ich soll gehen?

    Da , wo man keines find'. Wo soll ich dann nun hin?

    Ich muss noch über Gott in eine Wüste zieh'n."

 

Beziehungen schaffen Aufenthaltsraüme für das abgetrennte Ich. Hier bin ich, da bist du. Ich habe meinen Standpunkt, du hast deinen. Hier sind meine Vorstellungen (von dir), da sind deine Vorstellungen (von mir). Grenzen und Unterschiede sind vordergründig,. Da ist Zweiheit, Anfang und Ende, immer wieder.

Die Übung führt zunehmend in die Ganzheit. Vorstellungen, Konzepte, Grenzen und Unterschiede treten zurück; letztlich auch das Konzept von 'Gott'.

 

1. 8. Gott lebt nicht ohne mich.1. 8. Gott lebt nicht ohne mich.    "Ich weiß, dass ohne mich

    Gott nicht ein Nun kann leben.

    Werd' ich zu Nicht'; er muss

    vor Not den Geist aufgeben."

 

Der Atem ist die Verbindung, und der Austausch mit allem, was da lebt.  Einatmen und Ausatmen erinnert dich, dass du 'ohne Unterlass' mit dem LEBEN (GEIST; nefesch; (נפש)), verwoben bist. Du bist ein unersetzbarer Teil davon. Du kannst deinen Atem beeinflussen und vergessen, dass du mit allem verwoben bist, doch  das LEBEN atmet durch dich weiter - ohne dein Zutun.

 

 

1. 9. Ich hab's von Gott und Gott von mir.1. 9. Ich hab's von Gott und Gott von mir.    "Das Gott so seelig ist

    und lebet ohn' Verlangen,

    hat er sowohl von mir

    als ich von ihm empfangen."

 

Die meisten Gebete zeichnen sich durch die Erwartung aus, dass von Gott etwas verlangt oder begehrt wird, wozu ich  anscheinend nicht fähig bin. Das kleine Kind (Ich) verlangt etwas vom großen Papa (Gott).

Gott ist Seele, ich bin Seele. Da ist kein Groß und Klein, kein Nehmen und Geben. Da ist Fließen. Der Fluss begehrt nicht, irgendwohin zu fließen. Er fließt einfach, ganz von selbst, ohne Zutun, ins Meer. Dort ist gegenseitiges Empfangen. Das Geschenk des LEBENS.

 

1. 10.Ich bin wie Gott und Gott wie ich.1. 10.Ich bin wie Gott und Gott wie ich.    "Ich bin so groß wie Gott;

    er ist wie ich so klein.

    Er kann nicht über mir,

    ich unter ihm nicht sein."

 

Mensch und Gott sind kein Gegensatz. Sie schließen sich nicht aus und stehen nicht in Beziehung zueinander. Sei behutsam aus Mensch und Gott keine festen Vorstellungen zu machen und Mensch und Gott einander auszuschließen. LEBEN schließt ALLES ein. LEBEN bringt ALLES zum Ausdruck. Auch die Vorstellung, dass Gott über mir und ich unter ihm stehe.

 

 

     "Gott ist in mir das Feuer

    und ich in ihm der Schein.

    Sind wir einander nicht

    ganz inniglich gemein?"

 

Das Feuer muss einen Schein verbreiten. Genauso wie der Schein das Feuer zur Ursache haben muss. Das eine ist ohne das andere nicht möglich. Dennoch sind beide verschieden. Der Mensch ist nicht Gott und die Vorstellung von Gott ist nicht der Mensch. Beiden inniglich gemein - wesentlich - ist, das sie dem LEBEN entspringen.

 

 

 

 1. 12. Man muss über sich hinausschwingen.1. 12. Man muss über sich hinausschwingen.    "Mensch, wo du deinen Geist 

    schwingst über Ort und Zeit,

    so kannst du jeden Augenblick

    sein in der Ewigkeit."

 

Es ist ein Merkmal des abgetrennten Ichs, sich einen festen Standpunkt zu suchen, aus dem sich alles kontrollieren lässt. Raum und Zeit sind der gedankliche Rahmen, in dem sich das abgetrennte Ich aufhält. Raum und Zeit sind kontrollierbar. Das Schwingen in Raum und Zeit und darüber hinaus bringt dich in Bewegung, in Fluss, so wie dein Körper sich ganz natürlich von einem festen Standpunkt zum nächsten bewegt.

 

 

    1.13. Der Mensch ist Ewigkeit.1.13. Der Mensch ist Ewigkeit."Ich selbst bin Ewigkeit,

    wenn ich die Zeit verlasse

    und mich in Gott

    und Gott in mich zusammenfasse."

 

Ich kann die Zeit und den Raum nicht verlassen. Denn verschwindet der Gedanke von Raum und Zeit, verschwindet auch das Ich. Damit "Ich" existieren kann, benötige ich eine Vorstellung von Gott, also eine Trennung. Kann ein "Ich" ohne Trennung existieren? Aufgabe in der Meditation ist es, dass "Ich" in die Vorstellung von Gott als Ausdruck des LEBENS eingebunden werde.

 

 

1. 14. Ein Christ, so reich wie Gott.1. 14. Ein Christ, so reich wie Gott.    "Ich bin so reich wie Gott.

    Es kann kein Stäublein sein,

    das ich, (Mensch glaube mir),

    mit ihm nicht hab' gemein."

 

Die Vorstellung von "Ich" und die Vorstellung von "Gott" ist wesensgleich. Beides sind Vorstellungen. Beides ist Ausdruck von LEBEN. Genauso wie "blau" und "grün" wesensgleich sind. Beides sind Farben. Beides ist Ausdruck von LICHT. Keine Vorstellung ist "größer" oder "kleiner", "wertvoll" oder "minderwertig", "richtig" oder "falsch".

 

 

 

 1. 15. Die Übergottheit1. 15. Die Übergottheit "Was man von Gott gesagt,

    das genügt mir nicht.

    Die Übergottheit ist

    mein Leben und mein Licht"

 

Unser Verstand ist auf Wörter, Vorstellungen, Vorlieben und Abneigungen fixiert. Beim Lesen der Aussagen über Gott, mache ich die Erfahrung der Zustimmung oder der Ablehnung. Manche Worte gefallen mir, ich erkenne eine "Weisheit" in ihnen. Manche Worte mißfallen mir, ich erkenne eine "Unwissenheit" in ihnen.

Schwingt in der Fixierung deines Verstandes auf das Gesagte, das umfassendere, wertfreie LEBEN mit? Die Übergottheit, aus und in der Du lebst?

 

 "Wo Gott mich über Gott1. 16. Die Liebe zwingt Gott.1. 16. Die Liebe zwingt Gott.

nicht sollte wollen bringen,

so will ich ihn dazu

mit reiner Liebe zwingen."

 

Für den Verstand ist "reine Liebe" mit "Zwang" nicht zu vereinbaren. Es widerspricht sich. Doch      wie der Schreiner ein Stück Holz zur Bearbeitung mit einer ZWINGE befestigt, lässt sich mit reiner  Liebe der wandernde Verstand, der Vielfalt und Freiheit sucht, einklammern und halten, damit es  zur Wandlung von Gott (bestimmte Bilder, Worte und Vorstellungen) zur Übergottheit (offenes, intuitives LEBEN) kommt.

 

 

1. 17. Ein Christ ist Gottes Sohn.1. 17. Ein Christ ist Gottes Sohn.

"Ich auch bin Gottes Sohn.

Ich sitz' an seiner Hand.

Sein Geist, sein Fleisch und Blut

ist Ihm an mir bekannt."

 

Jeder Mensch ist ein Finger an der einen göttlichen Hand. Jeder Mensch ist somit ein TEIL des Ganzen. Jedem Menschen kommt eine bestimmte Aufgabe zu, so wie jeder Finger eine bestimmte Aufgabe erfüllt. Im eigenen Ausdruck schwingt das ganze LEBEN mit. Jeder einzelne Finger ist mit  der Hand verwachsen. Ein von der Hand abgetrennter Finger ist nicht lebensfähig, genauso       wie der Verstand, der sich vom LEBEN abtrennt, auf Dauer nicht lebensfähig ist.

 

 

  "Gott liebt mich über sich.

 Lieb' ich Ihn über mich,

 so geb' ich Ihm so viel,

als Er mir gibt aus sich."

 

Die Umfassenheit Gottes ist abhängig von meiner Fähigkeit, mich selbst für die Umfassenheit        Gottes zu öffnen. Bin ich in der Lage mich für die Unermesslichkeit Gottes zu öffnen, eröffnet sich  die Vielfalt des Lebens für mich. Dem LEBEN ist es egal, ob ich es als meinen Besitz betrachte oder ob ich von ihm eingebettet bin. Es drückt sich soweit durch mich aus, wie ich es zulassen möchte.